Geschichte der Paul-Zimmermann-Schule

Zur Geschichte der Paul-Zimmermann-Schule

In den Jahren 1967/68 wurde im damaligen Landkreis Waldeck deutlich, dass ein schulisches Angebot für praktisch bildbare schulpflichtige Kinder, die zuvor den Kindergarten des Lebenshilfe-Werkes besucht hatten, eingerichtet werden muss. So konnte durch privates Engagement von Lehrern und interessierten Personen im Jahre 1969 eine erste Klasse eröffnet werden, die der Westwallschule angegliedert war. Der Untericht fand nachmittags statt, und das vorher benutzte Gemeindehaus der Kiliansgemeinde konnte aufgegeben werden. Mit der Übersiedlung in die Westwallschule wurde auch der schulische Rahmen für die neue Arbeit gewährleistet.

1971 wurden vom Hessischen Kultusministerium „Vorläufige Richtlinien für die Arbeit in der Schule für Praktisch Bildbare“ herausgegeben. Damit wurde die Beschulung der Kinder mit einer geistigen Behinderung auf eine solide rechtliche Grundlage gestellt.

Die Entstehung der Schule für Praktisch Bildbare war eng mit der weiteren Entwicklung der Schule für Lernbehinderte verbunden. Als die Schule für Lernbehinderte am 1.2.1972 selbständig wurde und ein neues Domizil in der ehemaligen Handelsschule in der Prof.-Kümmel-Straße fand, war ihr bereits eine Klasse für Praktisch Bildbare angegliedert. Diese konnte jetzt auch am Vormittag unterrichtet werden. Eine zweite Klasse wurde am 1.8.1972 eingerichtet. Im Oktober 1973 wurden drei Klassen unterrichtet, so dass die Verselbständigung der Schule für Praktisch Bildbare am 1.11.1973 konsequent erschien.

Die neue Schule wurde in Korbach in der Friedrichstraße 22 untergebracht. In diesem Privathaus mussten schließlich fünf Klassen mit fast dreißig Kindern und Jugendlichen betreut werden. Ständig steigende Schülerzahlen erforderten einen Neubau, der für zwölf Klassen vorgesehen war. Eine Zwischenlösung bedeutete die Auslagerung von zwei Klassen in die Humboldtschule.

Zu Beginn des Schuljahres 1978/ 1979 konnte das neue Haus der Paul-Zimmermann-Schule in unmittelbarer Nachbarschaft der Lebenshilfe bezogen werden. 1980 wurden in dem neuen Gebäude 64 Schüler in neun Klassen unterrichtet. Das Kollegium, das in der Aufbauphase der Schule in seiner Zusammensetzung noch oft gewechselt hatte, bestand seit Mitte der 80er Jahre aus Lehrern und Erziehern mit einer qualifizierten Fachausbildung.

Die zurückgehenden Schülerzahlen ermöglichten es, 1985 einen Teil der Klassen- und Fachräume den Beruflichen Schulen zur Verfügung zu stellen. Nachdem zunächst Verwaltungsfachschüler untergebracht waren, wurde auf Antrag der Berufsschule ein Schulversuch „Behinderte und neue Technologien in der Berufsschule“ eingerichtet.

Im Jahre 1988 erfolgte zum 20jährigen Jubiläum der Beschulung Behinderter die Namensgebung der Schule, nach dem langjährigen Bürgermeister der Stadt Korbach. 1989 erhielten dreißig Schüler an fünf Wochentagen 30 Stunden Unterricht. Zusätzlich gab es an zwei Nachmittagen für insgesamt neun Schüler ein weiteres freiwilliges Lern- und Freizeitangebot.

1990/91 plante die PZS zusammen mit dem Elternbeirat und Vertretern des Lebenshilfe-Werkes das Modell der gemeinsamen Beschulung von Kindern mit und ohne Behinderung in den Räumlichkeiten der PZS. Der Sonderpädagoge Prof. Kroppenberg (Marburg) sicherte die wissenschaftliche Betreuung zu . Im September 1992 stand die Konzeption, und ein Antrag beim Staatlichen Schulamt auf gemeinsame Beschulung wurde eingereicht. Die Gesamtkonferenz der PZS und des Elternbeirats stellte den Antrag auf Organisationsänderung in Richtung auf „Umwandlung in eine Integrative Grund- und Sonderschule“. Durch Informationsveranstaltungen und intensive Pressearbeit meldeten 16 Eltern von nichtbehinderten Kindern ihre Kinder zur gemeinsamen Beschulung mit behinderten Kindern in der PZS an. Der Elternbeirat beantragte die Einrichtung einer integrativen Klasse beim Kultusministerium. Am 14. Dezember erreichte die PZS die abschlägige Antwort des Kultusministeriums, dass „die gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf nur an allgemeinen Schulen“ stattzufinden hat.

Schon immer wurden an der PZS Kinder beschult, die auch körperliche Beeinträchtigungen aufwiesen. Seit dem Schuljahr 1996/97 führte die Schule den Titel „Förderschule für Praktisch Bildbare und praktisch bildbare Körperbehinderte“. Im Lauf der Jahre erweiterte sich das fachliche Spektrum des Personals erheblich. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Lehrern, Erziehern, Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Therapeuten und Krankenpflegern ermöglicht eine umfassend-ganzheitliche Förderung einer sehr heterogenen Schülerschaft.

Im Jahr 2005 wurde das pädagogische Konzept einer gebundenen Ganztagsschule erarbeitet und beim Kreis eingereicht.

Am 9.2.2007 fand die Ernennungsfeier von Frau Nina Jonescu als neue Rektorin der PZS statt. Sie löste Herrn Dr. Böhme in dieser Funktion ab.

Mit dem Schuljahr 2007/2008 begann die Umsetzung des Ganztagsschulkonzepts mit einem langen Tag, ab November mit zwei Tagen. In den folgenden Jahren wurde das Angebot stetig erweitert.

Parallel dazu genehmigte der Schulträger umfassende Umbau-, Renovierungs - und Erweiterungsmaßnahmen des Schulgebäudes (Mensa, Lehrerzimmer, Pflegeräume, Spielplatz, Raum der Sinne, Snoezelraum, PC- Raum, Blackroom), die 2012 abgeschlossen wurden.

Im August 2008 erfolgte die erste Schulinspektion mit einer ausgesprochen positiven Beurteilung der pädagogischen und konzeptionellen Arbeit.

Die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen führte unter anderem zur Mitarbeit in der „Initiative Inklusion“. Im Rahmen dieser Maßnahmen werden für die Schüler der neu gebildeteten Abschlussklassen Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt gesucht.

Die allgemein rückläufigen Schülerzahlen sowie die Umsetzung des Artikels 24 der UN-Behinder- tenrechtskonvention (Recht auf inklusive Bildung) stellt die Schule vor neue Herausforderungen und wird langfristig eine Veränderung der pädagogischen Arbeit mit sich bringen. Die Paul-Zimmermann-Schule wird mit ihren personellen, räumlichen und sächlichen Resourcen diesen gesellschaftlichen Wandlungsprozess unterstützen.

G. Peter/ I.Schult

Paul-Zimmermann Schule - Christian-Paul Str. 6 - 34497 Korbach  |  Telefon: 05631 3836  |  Telefax: 05631 915693